Geld anlegen mit ETFs

Geld anlegen mit ETFs wird immer populärer. Verbraucher-Magazine werben aktiv für ETF-Anlagen, da diese (meist) ohne Ausgabeaufschlag ausgegeben werden und kostengünstig sind. Doch ist billig auch wirklich immer gut? Und sollten neben dem Preis nicht auch andere Faktoren bei der Auswahl der Geldanlage berücksichtigt werden? Meine Antwort lautet »Jein«, denn grundsätzlich spielen Kosten bei der Geldanlage eine Rolle, aber Privatanleger sollten auch nur darin investieren, was sie wirklich verstehen – und das ist bei ETFs nicht so einfach …

Geld anlegen mit ETFs – Entzauberung eines „Wundermittels“

ETF ist die Abkürzung für »Exchange Traded Fund«. Darunter versteht man börsengehandelte Investmentfonds, die fortlaufend an der Börse gehandelt werden d.h. während der gesamten Börsenhandelszeit werden laufend An- und Verkaufspreise ermittelt. ETFs haben eine unbegrenzte Laufzeit und können flexibel gekauft und verkauft werden. Ausgabe- und Rücknahmeabschläge fallen dabei in der Regel nicht an, jedoch aber Transaktionsgebühren für jeden Kauf bzw. Verkauf.

Bei den meisten ETFs handelt es sich um passive Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Marktindex nachbilden. Bekannte Marktindices sind z.B. der DAX, der S&P 500 oder der MSCI Welt. Indices bilden die Wertentwicklung der in ihnen enthaltenen Wertpapiere ab. Dazu ein Beispiel: Der DAX ist der bekannteste Index für den deutschen Aktienmarkt und stellt die durchschnittliche Wertentwicklung der 30 umsatzstärksten deutschen Unternehmen dar (Blue Chips, Large Caps). Wenn Sie also einen ETF auf den DAX erwerben, dann steigt und fällt dieser mit der Wertentwicklung des DAX. Der ETF-Anbieter (Investmentgesellschaft) hat lediglich die Aufgabe, die gleiche bzw. fast gleiche Wertentwicklung beim jeweiligen ETF zu erreichen wie der dazugehörige Index.

Geiz ist geil, aber beim eigenen Vermögen …?

Aus diesem Grund sind die Fondsmanagementgebühren auch so gering. Dieser offensichtliche und von Verbraucherzentralen häufig angepriesene Kostenvorteil ist aber gleichzeitig auch ein Nachteil von ETFs: Weil ein ETF einen Marktindex möglichst genau nachzubilden versucht, besteht keine nennenswerte Chance, dass dieser besser ausfällt als sein Index. Sie sollten daher bedenken, dass Sie bei einer ETF-Anlage immer am gewichteten Durchschnitt positiv bzw. negativ partizipieren. Dazu ein Gedankenimpuls: Möchten Sie Durchschnitt sein oder besser sein als andere? Vermutlich ist das eine rhetorische Frage, denn es liegt in der Natur des Menschen, immer besser sein zu wollen als andere. Überlegen Sie sich also genau, was Sie wollen! Besser sein können Sie nur mit einem Fondsmanagement, das aktiv Wertpapiere kaufen und verkaufen kann. Diese Aufgabe kostet jedoch Geld und schmälert Ihre Rendite, kann aber in besonders turbulenten Börsenphasen sehr viel wert sein!

Geld anlegen mit ETFs funktioniert anders als mit aktiv gemanagten Investmentfonds

Sie kennen sicherlich meine Einstellung zu Geldanlagen, dass Sie immer nur darin investieren sollten, was Sie wirklich verstehen. Falls Sie trotzdem denken »Ich will auch Geld anlegen mit ETFs!«, setzen Sie sich bitte mit den Themen Indexnachbildung (Replikationsmethoden) und Portfolio-Rebalancing auseinander. Ich kann Ihnen in diesem Beitrag zwar nicht in aller Ausführlichkeit die theoretische Komplexität von ETFs erläutern, aber mir ist wichtig, dass Sie sich vom Verkaufsargument der Kostenersparnis nicht allzu sehr blenden lassen. Nehmen Sie daher auch bewusst die komplexeren Details von Indexfonds in den Blick, denn diese sind für Privatanleger oft nicht mehr nachvollziehbar und erhöhen das Risiko.

Sie sollten als ETF-Anleger also eine eigene Marktmeinung haben, um die für Sie passenden Fonds auswählen zu können. Da ETFs kein aktives Fondsmanagement haben, müssen Sie als Anleger diesen Part durch regelmäßiges Rebalancing selbst übernehmen. Rebalancing ist für den dauerhaften Erfolg Ihres Portfolios notwendig, da Sie damit Ihr ursprüngliches Risikoverhältnis wiederherstellen. Welche prozentualen Abweichungen Sie von Ihrer Ursprungsallokation akzeptieren, das sollten Sie im Vorfeld für sich festlegen. Auch hierzu ist es ratsam, eine eigene Strategie zu entwickeln. Beachten Sie außerdem, dass für jeden Kauf und Verkauf Transaktionsgebühren anfallen, sodass selbst ein Depot bei einem gebührenfreien Online-Broker jährlich einige hundert Euro an Kosten für bloßes Rebalancing verursachen kann.

Fazit

Geld anlegen mit ETFs bietet Chancen, aber auch komplexe Risiken. Wenn Sie in Eigenregie Geld anlegen möchten, sollten Sie daher genau wissen, was Sie tun und sich eine eigene Meinung bilden. Durch den fehlenden Ausgabeaufschlag verdienen freie Finanzberater kaum etwas bei der ETF-Anlage. Sie werden also nur wenige Vermittler finden, die Ihnen kostenlos ein ETF-Portfolio zusammenstellen und regelmäßig überwachen. Beratungen zu ETFs werden daher meist gegen Honorar angeboten und Ihnen in Rechnung gestellt, was ebenfalls Kosten verursacht. Der propagierte Preisvorteil beim Kauf ist dann aber meistens dahin. Ich persönlich halte ETFs trotzdem für eine interessante Anlagevariante – jedoch nur zur Beimischung in einem gut diversifizierten Portfolio. Ob ETFs oder aktiv gemanagte Fonds besser zu Ihnen passen, das müssen Sie selbst entscheiden. Ein freier Finanzanlagenvermittler erklärt Ihnen die Unterscheide und zeigt Ihnen Vor- und Nachteile beider Varianten auf.

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