Private Krankenvollversicherung

Private Krankenvollversicherung

Das Gesundheitssystem in Deutschland zählt zu den Besten der Welt. Dazu trägt in besonderem Maße das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung bei, das in seiner Struktur weltweit einzigartig ist. Das duale Krankenversicherungssystem ist das Ergebnis eines langfristigen Entwicklungsprozesses, der bis ins Mittelalter zurückreicht. Dort organisierten bereits die Zünfte eine gegenseitige Hilfe für den Fall der der Erkrankung ihrer Mitglieder. Die private Krankenvollversicherung war geboren.

Das gegliederte Krankenversicherungssystem der Bundesrepublik ist Motor eines gesunden Wettbewerbs zwischen GKV und PKV. So können alle Versicherten von ständig neuen Behandlungsmethoden, Geräten und Medikamenten profitieren. Gäbe es die private Krankenvollversicherung nicht, wäre das deutsche Gesundheitssystem nicht so stark.

Doch eine exzellente medizinische Versorgung hat ihren Preis und das spüren sowohl gesetzlich als auch privat versicherte Bürger. Ursache der Preissteigerungen im medizinischen Bereich ist die Medizininflation, die aufgrund neuer Behandlungsmethoden und wirksamerer Medikamente entsteht. Mit künftigen Preissteigerungen hat daher sowohl die GKV als auch die PKV zu kämpfen.

Die private Krankenvollversicherung steht nicht allen Bürgern offen. Zugang zu einer Vollversicherung haben grundsätzlich versicherungsfreie Angestellte (vgl. Sozialversicherungswerte), Freiberufler und Gewerbetreibende. Beamte müssen ihren Beihilfeanspruch um eine Restkostenversicherung in der PKV ergänzen, welche die Versorgungslücke zur Beihilfe abdeckt.

Die Versicherungsbeiträge der PKV werden einkommensunabhängig erhoben und risikoadäquat (Äquivalenzprinzip) berechnet. Der risikogerechte Beitrag ist abhängig vom Eintrittsalter, dem Gesundheitszustand und dem Leistungsumfang des Tarifs. Zusätzlich muss die PKV zwischen dem 21. und 60. Lebensjahr einen Zuschlag von 10 Prozent auf den Grundbeitrag als Alterungsrückstellung erheben. Ein gesunder privat versicherter Bürger zahlt also in jungen Jahren höhere Beiträge und finanziert damit seine Gesundheitskosten im Alter vor. Das folgende Video fasst die Beitragsberechnung der privaten Krankenversicherung leicht verständlich zusammen.

Der Wechsel in die private Krankenvollversicherung ist für alle Verbraucher empfehlenswert, die Ihre Gesundheitsvorsorge selbst in die Hand nehmen möchten. Sie sollten jedoch wissen, dass ein seriös kalkulierter Tarif in der PKV niemals weniger kosten kann als der Mindestbeitrag der GKV. Eine private Krankenvollversicherung müssen Sie sich also leisten können und auch leisten wollen!

Leistungsumfang
Die private Krankenvollversicherung bietet verschiedene Leistungsklassen von Grundabsicherung bis hin zu Spitzenleistungen. Die Vielfalt an Tarifen und Angeboten ermöglicht daher eine individuelle und bedarfsgerechte Zusammenstellung.

Als substitutive Krankenversicherung muss die Krankheitskostenvollversicherung mindestens folgende Leistungsarten abdecken:

  • ambulante Heilbehandlung
  • stationäre Heilbehandlung
  • zahnärztliche Behandlung

Die Leistungsarten werden in unterschiedlichen Tarifvarianten angeboten. Der Versicherungsnehmer kann also den Umfang und die Höhe seines Versicherungsschutzes selbst bestimmen (Wahltarife).

Im Wesentlichen werden zwei Tarife angeboten:

  • 100-Prozent-Tarife mit oder ohne Selbstbeteiligung (für Angestellte und Selbstständige)
  • Quotentarife mit prozentualer Kostenerstattung (für Beamte)

Der Versicherungsschutz kann zusätzlich um Tagegeldversicherungen (z.B. Krankentagegeld, Krankenhaustagegeld) und sonstige Risikoversicherungen (z.B. Auslandsreise-Krankenversicherung) ergänzt werden.

Wartezeiten
Unter Wartezeiten versteht man die leistungsfreie Zeit zu Beginn des Vertrags. Insofern kann man die Wartezeiten auch als Karenzzeiten bezeichnen, in denen keine Leistungspflicht des Versicherers besteht. Dadurch soll die Versichertengemeinschaft vor Leistungsfällen für Krankheiten geschützt werden, die bereits vor Vertragsschluss vorhanden waren. Beiträge müssen für die Wartezeit trotzdem entrichtet werden.

Die Vereinbarung von Wartezeiten ist in den Musterbedingungen MB/KK 2009 verankert. Diese unterscheiden zwischen den allgemeinen (3 Monate) und besonderen (8 Monate) Wartezeiten. Die privaten Krankenversicherer dürfen aber davon abweichen und beispielsweise komplett auf Wartezeiten verzichten.

Unter bestimmten Voraussetzungen können die Wartezeiten auch auf Vorversicherungszeiten angerechnet werden. Dies kann bei Personen der Fall sein, die unmittelbar aus der GKV in die PKV wechseln. Unter Vorlage eines ärztlichen Gesundheitszeugnisses können sämtliche Wartezeiten erlassen werden.

In der Auslandsreisekrankenversicherung gibt es keine Wartezeiten.

Abrechnungsmodalitäten
Versicherte sind bei privatärztlichen Leistungen grundsätzlich Vertragspartner des Arztes. Durch den Besuch entsteht zwischen Arzt und Patient ein Behandlungsvertrag, dessen Leistungen nach den amtlichen Gebührenverordnungen (GOÄ, GOZ, GebüH) in Rechnung gestellt werden. Die Arztrechnung muss der Privatpatient zuerst selber begleichen. Anschließend kann er die Rechnung bei seinem Krankenversicherer einreichen, der seine zu erbringende Leistung an den Versicherten zurückerstattet (Kostenerstattungsprinzip).

Stationäre Aufenthalte werden in der Regel direkt mit dem Krankenversicherer abgerechnet. Zu diesem Zweck erhalten Versicherungsnehmer von ihrer privaten Krankenversicherung die Card für Privatversicherte, welche die Kostenübernahme für die allgemeinen Krankenhausleistungen und Zuschläge für das Ein- oder Zweibettzimmer garantiert.

Bei Zahnersatz oder Kieferorthopädie ist rechtzeitig vor Behandlungsbeginn ein Heil- und Kostenplan des Arztes vorzuglegen. Bei anfallenden Material- und Laborkosten ist es grundsätzlich sinnvoll, einen Kostenvoranschlag einzureichen.

Beitragsentwicklung
Aufgrund des medizinisch-technischen Fortschritts und der steigenden Lebensqualität in Deutschland nimmt die Lebenserwartung beständig zu. Diese erfreuliche Entwicklung führt jedoch heute zu Beschwerden und Erkrankungen, die früher nicht oder nur selten auftraten, aber versorgt werden müssen.

Das Risiko Langlebigkeit haben die gesetzliche und private Krankenversicherung gleichermaßen zu tragen. Während die GKV nach dem Umlageverfahren arbeitet, berechnet die die PKV ihre Beiträge nach dem Vorsorgeverfahren. Steigende Gesundheitsausgaben aufgrund des Alters sind im Beitrag der privaten Krankenvollversicherung von Anfang an berücksichtigt und werden in sogenannten Alterungsrückstellungen angesammelt und verzinst. Die PKV ist damit weitestgehend unabhängig von der demografischen Entwicklung, denn jede Generation sorgt mit ihren Beiträgen für sich selbst vor. Ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Beiträge aufgrund des Alters ansteigen, kann daher ausgeräumt werden.

Beitragssteigerungen sind durch den medizinisch-technischen Fortschritt bedingt und können dann auftreten, wenn der angesparte Puffer die höheren und länger in Anspruch genommenen Gesundheitskosten nicht mehr vollumfänglich deckt (Medizininflation). Diese Entwicklung können weder die gesetzliche noch die private Krankenversicherung lösen. Privatversicherte haben jedoch die Garantie, dass ihre vereinbarten Leistungen ein Leben lang Gültigkeit haben. Private Krankenversicherer dürfen keine Leistungen eigenmächtig aus dem vereinbarten Leistungskatalog streichen.

PKV-Beratung durch einen Versicherungsmakler
Ein Versicherungsmakler hat als ungebundener Produktvermittler die uneingeschränkte Beratungsgrundlage. Nur dieser kann den Markt objektiv untersuchen und seinen Mandanten das bestmögliche Produkt in Aussicht stellen. Ferner hat nur er die Möglichkeit, vor Antragstellung eine Risikovorabanfrage bei diversen Versicherungsgesellschaften durchzuführen, um eine mögliche Versicherbarkeit seiner Mandanten auszuloten. Künftige Privatversicherte haben den Vorteil, dass Ihre Gesundheitsdaten dadurch geschützt bleiben und es zu keinem Negativeintrag in der zentralen Wagnisdatei (HIS) kommt.
Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Für Privatversicherte ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum der Wechsel von einem besseren in ein schlechteres System in Erwägung gezogen wird.

Sofern der Zahlbeitrag finanziell nicht mehr tragbar ist, gibt es viele Möglichkeiten auf diesen positiv einzuwirken. Dies kann zum Beispiel durch eine vorübergehende Reduzierung des Leistungskatalogs, die Wahl eines (höheren) Selbstbehalts oder einen Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft erreicht werden.

Zudem müssen private Krankenversicherer seit 2009 einen kontrahierungsfreien Sozialtarif anbieten, der an das Leistungsniveau der GKV gebunden ist (Basistarif). Versicherte können daher jederzeit innerhalb der PKV Ihre Leistungen auf das GKV-Niveau senken und sind damit wieder „gesetzlich“ versichert. Kunden, die ihre Beiträge gar nicht mehr bezahlen können, dürfen unter bestimmten Voraussetzungen vorübergehend in den sogenannten Notlagentarif wechseln, der dann aber nur noch in Akutfällen Leistungen bietet.

Privatversicherte sind daher jederzeit gut beraten, bei Zahlungsschwierigkeiten ihren zuständigen Versicherungsmakler um Lösungen zu bitten. In jedem Fall sollte bei Problemen immer das persönliche Gespräch mit der Krankenversicherung gesucht werden, um eine Kündigung durch den Versicherer zu vermeiden. Ein Versicherungsmakler unterstützt seine Mandanten in diesen Situationen kraft seiner Eigenschaft als unabhängiger Sachwalter des Kunden.